





TRISTAN´S SPIRIT
Nun möchte ich ein wenig über unsere Cattery erzählen. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit hätte ich jeden, der mir gesagt hätte, dass ich eines Tages Katzen züchten würde, für verrückt erklärt. Wir lebten mit zwei schon älteren Hauskatzen zusammen und hatten kein Bedürfnis nach weiteren Haustieren.
Aber dann trat Tristan in unser Leben.

Ein kleines, acht Wochen altes rotes Fellknäuel, dessen Mutter eine Hauskatze war, eroberte unser Herz im Sturm. Rasch stellte sich heraus, dass er offenbar das Ergebnis einer Liason seiner Mutter mit einem norwegischen Waldkater war, und je mehr er zu einem stattlichen Kater heranwuchs, umso deutlicher zeigten sich die Norweger-Gene bei ihm. Er war eine Augenweide und obendrein der liebenswerteste kleine Geselle, den man sich vorstellen konnte. Wie unseren alten Katzen gönnten wir auch ihm den Freilauf. Er war es von Klein auf nicht anders gewöhnt gewesen, also wollten wir ihn nicht einsperren. Leider, wie so vielen Freigängerkatzen, wurde ihm sein Freiheitsdrang zum Verhängnis, als er auf einem seiner Streifzüge von einem Motorrad überfahren wurde.
Der Schock und die Trauer waren groß und obwohl uns klar war, dass eine neue Katze niemals unseren Tristan ersetzen konnte, beschlossen wir den Kindern zuliebe so rasch wie möglich wieder ein kleines Katerchen ins Haus zu holen. Womit wir nicht gerechnet hatten, war der Wunsch unserer Kinder, dass der neue Kater genau wie Tristan auszusehen hatte. Einen anderen wollten sie nicht. Was also sollten wir tun? In den Tierheimen gab es keinen Kater, der ihren Vorstellungen entsprach, also begannen wir bei Züchtern von Norwegischen Waldkatzen nachzufragen. In der Nähe von Stuttgart wurden wir dann fündig. Ein roter Kater mit weißer Brust und weißen Pfoten wartete auf einen neuen Dosenöffner.
Wir waren sofort hingerissen von ihm und durch das viele Weiß im Fell würde er sich doch von unserem Tristan unterscheiden, was mir persönlich sehr wichtig war, weil ich nicht wollte, dass er sein Leben lang mit einem anderen Kater verglichen werden würde. Da mein Mann ein großer Fan der amerikanischen Baseballmannschaft Red Sox ist, war klar, dass dieser rote Kater mit den weißen Socken bei uns Socke heißen würde.
Allerdings hatte ich Bedenken, was seine Haltung anbelangte. Mir war klar, dass Socke auf gar keinen Fall vor seiner Kastration ins Freie laufen dürfte. Das Risiko, dass er auch zum Vagabunden würde, war mir zu groß. Da aber unsere anderen beiden Katzen tagsüber immer im Freien waren, wäre Socke viele Stunden am Tag alleine gewesen. Aber eine weitere Katze aufnehmen? Nein, das konnte ich mir gleich aus dem Kopf schlagen. Wie überrascht war ich aber, als ich kurz bevor wir Socke holen konnten, herausfand, dass mir mein Mann auch noch Sockes Schwester Anuk schenken wollte und mit der Züchterin schon alles besprochen hatte.
So kamen die beiden zu uns und ich war vom ersten Moment an fasziniert von dieser Rasse. Um nichts falsch zu machen bei der Haltung, suchte ich bald im Internet nach Informationen über Norwegische Waldkatzen. So ließ es sich natürlich nicht vermeiden, dass ich immer wieder auf den Seiten von Züchtern landete und mir deren Würfe anschauen konnte. Über ein Norweger-Forum lernte ich dann zwei Züchter kennen, die mir mit Rat und Informationen zur Seite standen und nach langem Abwiegen aller Möglichkeiten, nach zahlreichen Diskussionen mit meiner Familie und mit den beiden Züchtern, war es klar, dass ich mich auch in das Abenteuer Katzenzucht stürzen wollte.
Dafür musste ich allerdings einiges ändern.
Zuchtkatzen dürfen nicht in den ungesicherten Freilauf, also hat mir mein Mann ein Freilaufgehege in unserem Garten errichtet. Da ich keine Linienzucht machen wollte, musste einer meiner beiden Norweger kastriert werden. Die Wahl fiel mir sehr schwer, aber letztendlich entschied ich mich für Anuk als Zuchtkatze und Socke wurde kastriert. Ich trat dem Blue Danube Cat Club bei und absolvierte meine erste Ausstellung mit den beiden Katzen. Zu meiner großen Überraschung machte diese Ausstellung meiner Familie mehr Spaß als mir und von da an gab es auch kaum noch Einwände, wenn ich über meine Pläne für die Cattery sprach.
Als es darum ging, einen Namen für meine Zucht zu finden, musste ich nicht lange überlegen. Es war unser Kater Tristan gewesen, der meine Liebe zur Rasse der Norwegischen Waldkatzen weckte und sein Tod war der Anlass, dass wir unsere ersten echten Norweger zu uns holten. Was lag also näher, die Cattery „Tristan´s Spirit“ zu nennen?
Ich bin mir absolut sicher, dass er als Schutzengel über meine Cattery wacht.
Für das Frühjahr 2009 plane ich den ersten Wurf. Bis dahin versuche ich noch so viel wie möglich über Katzenhaltung, Genetik und Zucht im Allgemeinen zu lernen. Ich möchte hier an dieser Stelle all jenen Leuten danken, die bisher bereit waren, geduldig ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit mir zu teilen. Ohne diese Unterstützung wäre es nicht leicht, eine Cattery aufzubauen.